Mit der Bahn auf nach Venedig

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Vaporetto Haltestelle Rialto

Wer reist kann was erleben! Ein altes Sprichwort, dass auch heutzutage noch zutrifft, vor allem wenn man mit der Deutsche Bahn verreist. Nach Venedig gibt es nach den Fahrplänen eine recht komfortable Verbindung. Die Endstation Venezia Santa Lucia liegt wie fast alle Bahnhöfe mitten in der Stadt, während man das Auto  vor der Stadt stehen lassen und doch mit Öffentlichen fahren müsste.

Deshalb war die Eisenbahn naheliegend, auch weil man beim Verlassen des Bahnhofs direkt am Canal Grande steht und einen ersten überwältigenden Eindruck von Venedig gewinnt.

Nun kommen wir aber zum Abenteuer einer solchen Reise bzw. der Ursache aller Schwierigkeiten: Die Deutsche Bahn! Trotz großzügigem Zeitpuffer bringt es diese auch dieses Mal fertig, soviel Verspätung zu produzieren, dass alle Anschlußzüge weg sind. Die Krönung ist dann, die Fahrgäste nach Mitternach auf halber Strecke „auszusetzen“. Aber von Anfang an:

Auslandsreisen lassen sich auf den Internetseiten der Bahn nicht sonderlich gut buchen, weshalb der Gang in eines der Reisecenter unabdingbar ist. Die Vorstellung war, mit dem Nachtzug ab München nach Venedig zu fahren. Am frühen Vormittag dann in aller Ruhe, Füße ausgestreckt, ein Frühstück in der Sonne irgendwo am Marcusplatz oder einem der Kanäle.

Der erste Vorschlag sah einen Aufenthalt in München von gerade mal 15 Minuten vor. Das war eher nicht geeignet, jeder sich die Füße vertreten, Chico vor allem noch das eine oder andere erledigen. Zudem war das Vertrauen in die Pünktlichkeit der Deutsche Bahn doch eher eingeschränkt, was sich als sehr wahr herausstellen sollte.

Lieber eine gute Stunde früher abfahren, in München war dann ein Aufenthalt von 55 Minuten eingeplant, was erstens eine etwaige Verspätung, nach Meinung des Reisecenters überkompensiert, puffern sollte und zweitens ausreichend Gelegenheit bieten würde, den Papillon ausreichend lange auszuführen.

Und da sind wir bei dem Standardproblem der Deutsche Bahn. Statt planmäßig kurz nach 23 Uhr war die Ankunft erst um 00:12 und der Nachtzug nach Venedig seit einer knappen Viertelstunde weg. Und überhaupt interessiert das keinen, da kann man nichts machen und hier ist ein Hotelgutschein und da ist ein Ausdruck der Züge, die am nächsten Tag fahren. In Italien eine Platzreservierung erforderlich? Davon weiß ich nichts, und dafür kann ich nichts und wenn es nicht passt, könne man ja am nächsten Tag ins Reisecenter gehen und sich erkundigen.

Das Hotel war eine billige Absteige mitten im Rotlichtviertel, eine erstklassige Unterbringung 🙁 , das Frühstück gab es am nächsten Tag im Zwischengeschoss, Kopf einziehen – und die Möbel, nun ja: Sahen aus wie aus einem Interhotel weit vor der Wende und dort schon mal eingelagert, weil sie keiner mehr haben wollte. Besteck und Geschirr konnten wir uns selber aus der Küche holen, dienstbare Geister waren weit und breit nicht zu sehen. Das hatte den Vorteil, dass man sich darüber nicht auch noch ärgern musste. Die Qualität passte zu dem eben erzählten, in über 30 Jahren habe ich nur einmal schlechteres erlebt.

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof Slalom um die Hinterlassenschaften der Nacht und am Bahnhof dann gut zweieinhalb Stunden zwischen Reisecenter, Verwaltung, Callcenter. Problem: Die Fahrkarte war eigentlich 1. Klasse, wegen ausreichendem Platz für den Zwerg und meine langen Beine und der Schlafwagen hat keine 1. Klasse. Warum auch, er ist ja Schlafwagen! Und damit fing das Problem an. Die Fahrkarte war ja nicht mehr gültig, und überhaupt kann man Schnellzüge in Italien nur mit Platzreservierung benutzen und überhaupt müssen jetzt neue Fahrkarten von München nach Venedig gekauft werden.

Und jeder und jede hatten volles Verständnis, konnten aber leider gar nichts machen, weil das ist nun mal ein Problem und dass die Bahn uns in München ausgesetzt hat – nun sehr bedauerlich, aber da kann man nun gar nichts machen.

Sehr prägnant war der Spruch: Also, auch in Frankfurt interessiert das keinen und auch der Vorstand, Dr. Grube, interessiert sich für so ein Problem überhaupt nicht.

Unser Problem: Wir waren nun in München gestrandet, hatten das Hotel in Venedig bereits bezahlt und die Wahl, entweder zurück zu fahren, dazu die Rückfahrkarte kostenpflichtig tauschen oder fast 400 Euro zusätzlich bezahlen und mit einem Tag Verspätung in der Lagunenstadt angekommen. Früher gab es mal eine Fernsehsendung: Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Anhand der Fotos zu Venedig wird deutlich, dass wir uns für die Weiterreise entschieden hatten. Sowohl die österreichische als auch die italienische Bahn haben es problemlos geschafft, uns pünktlich auf die Minute ans Ziel zu bringen!

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bereits in Italien

Dabei wurden auch die geplanten Aufenthalte unterwegs exakt zur geplanten Zeit und den entsprechenden Pausen, z. B. zum Grenzübergang nach Italien, angefahren. Damit war ausreichend Zeit, zwischendurch den Zwerg  Gassi zu führen.

Die Rückfahrt eine knappe Woche später war beinahe ähnlich: Italiener und Österreicher brachten uns fahrplanmäßig nach München, am nächsten Tag die Deutsche Bahn ……

Bei unseren europäischen Nachbarn lag Chico im Zug auf seiner Decke und hat geschlafen oder durch die offene Türe beobachtet, was sich im Waggon so alles bewegt. Alle, samt der Schaffner, hat sich über den Zwerg gefreut und die Kurzweil genossen. Kaum im Zug der DB: Der Hund muss aber in eine Tasche! Die DB-Dame strotzte geradezu vor schlechter Laune. Aber wie eigentlich immer hatte Chico ganz schnell sehr viele Freunde und recht helle ist er sowieso. Schnell hatte er raus, was es bedeutete: Chico Schaffner! Das gleiche wie „Chico Tasche“! Immer wenn einer der Umsitzenden die Schaffnerin sah: „Chico Tasche“! Schwups saß er in seiner Tasche, schaute verschmitzt oben raus und der halbe Waggon lachte. Man konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass in unserem Waggon öfters kontrolliert wurde, aber bei so vielen neuen Freunden führte einfach kein Weg dran vorbei. Der Hund saß in seiner Tasche.

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