Bindung – Beziehung – Erziehung – Ausbildung

Was läuft häufig schief in der Mensch-Hund-Beziehung?

„Eine Beziehung haben Individuen oder Gruppen dann, wenn ihr Denken, Handeln oder Fühlen gegenseitig aufeinander bezogen ist.“

Viele Hundehalter scheuen keine Mühen und Kosten, um ihre Hunde zu trainieren. Dazu werden unzählige Kurse in diversen Hundeschulen gebucht. Schließlich wird uns seit Jahrzehnten eingeredet dass unsere Hunde zwingend die „Grundkommandos“ beherrschen müssen. Tun sie es nicht, gelten sie als unerzogen.

Zusätzlich werden noch Sporteinheiten empfohlen. Diese gemeinsamen Beschäftigungsprogramme sollen die Bindung fördern und die Beziehung stärken.

Hören die Hunde dann immer noch nicht auf die „Grundkommandos“, müssen sich die Halter oft anhören dass sie sich viel mehr mit ihren Hunden beschäftigen müssen. Also ab zu Fährtensuche, Mantrailing und DogDancing, dies mache den Hunden ja so richtig Spaß und sie fallen glücklich und zufrieden irgendwann ins Bett. Und Agility sei das absolute Beziehungshighlight für das ungleiche Paar. Für alle Menschen die es etwas entspannter mögen, wird seit geraumer Zeit Slowgility als der Weisheit letzter Schluß angepriesen.

Hier aber sind wir in der Ausbildung oder auch formales Lernen, wir nennen sie Kommandos. „Das Beherrschen dieser Kommandos sind aber kein Indiz dafür, ob sich unsere Hunde auch sozialadäquat im Umgang mit Beziehungspartnern, Umwelt und Gesellschaft verhalten.“

Und ganz nebenbei: jeder Hund kann sitzen, ganz von alleine und ganz ohne Kommando!

Wenn das alles nicht funktioniert, werden Einzelstunden bei einem Trainer gebucht. Es muss herausgefunden werden werden, warum die Hunde nicht zur Ruhe kommen wollen und zuhause z.B. die Möbel zerlegen. Oft wird schnell die Ursache gefunden: Hund und Mensch waren nicht stundenlang Gassi. So wird das nichts mit der Bindung! Also drei mal täglich mindestens eine Stunde Gassi, aber bitte im Stechschritt! Ach ja, auch zuhause muss man die Kommandos üben, üben, üben.

Was läuft da falsch?

Es werden schlichtweg die Begriffe Bindung mit Training verwechselt. Das Wesentliche – die Erziehung – wird häufig außer Acht gelassen.

In der Mensch-Hund-Beziehung gilt:

ohne konsequente Erziehung werden unsere Hunde keine Beziehung zu uns aufbauen!

Erziehung bedeutet, dass die sozialen Kompetenzen im Umgang mit Beziehungspartnern, Umwelt und Gesellschaft gefördert werden.

Hunde schließen sich niemals Menschen an, die aus Hundesicht „schwach“ sind. Hunde schließen sich Menschen an, die Regeln und Grenzen setzen, die in allen Situationen ruhig und souverän bleiben, die Entscheidungen treffen und für ihre Hunde stets ein verlässlicher Konfliktlöser sind.

„Bindung bedeutet, dass sie der Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Nähe und damit u.a. der Arterhaltung dient.“ Mit Training oder lautstarken Kommandos hat das nichts zu tun.

Und bevor ein Hund auf Kommando Sitz können muss, sollte er gelernt haben, seinen Besitzern in die Augen zu schauen. Auch das können unsere Hunde ganz von alleine und ohne Kommando.

Ein Beitrag von Problemhundtherapie Marion Höft

Die Verfasserin ist ausgebildete und zertifizierte Problemhundetherapeutin. Sie arbeitet schon seit ihrer Jugend mit Hunden und hat in konsequenter Fortführung 2013 die Ausbildung zur Problemhundetherapeutin absolviert.

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