Ein neuer Trend breitet sich aus..

die Auslastung von Herdenschutzhunden!

Kangal Bruno

Die Zunahme von Herdenschutzhunden in unseren Haushalten ruft auch die „Auslastungsfanatiker“ auf den Plan. Vermehrt ist die Empfehlung zu hören, dass verhaltensauffällige Herdenschutzhunde nicht ausgelastet sind und dringend beschäftigt werden müssen.

So sind zunehmend motivierte Herdenschutzhundhalter/innen zu beobachten, die diese Hunde kilometerlang neben dem Fahrrad laufen lassen oder sie über Hindernisparcours springen lassen. Nach diesem Sportprogramm, so der Tenor, seien die Hunde müde und lammfromm. Trotz dieses Programms aber nehmen die Suchen nach einem neuen Zuhause für Herdenschutzhunde weiter zu.

Allein wenn man sich die Statur dieser Hunde betrachtet kann man erkennen, welcher Unsinn hier verbreitet wird. Diese Hunde sind für solche Art der Beschäftigung viel zu groß und zu schwer. Die Folgen für die Hunde sind häufig schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparats.

Wächtern, seine bevorzugte Aktivität

Ihre Aufgabe ist das Wachen und Schützen. Beobachtet man ausgebildete Herdenschutzhunde bei ihrer eigentlichen Aufgabe sieht man, dass ausgiebige sportliche Aktivitäten nicht dazu gehören. Sie liegen und beobachten, gehen ab und an auf Kontrollgang durch ihr Revier um anschließend wieder ihren Beobachtungsposten einzunehmen. Kein Herdenschutzhund würde jemals seine ihm anvertraute Herde verlassen, um sein tägliches Auslastungsprogramm zu absolvieren. Grundsätzlich sind es sehr ruhige und in sich ruhende Hunde.

Sie sparen sich ihre Energien, um im Ernstfall Angreifer vertreiben zu können. Dann powern sie sich aus, kurz aber heftig.

Diese Hunde brauchen Beschäftigung ihrer Züchtung entsprechend, sie müssen wachen und schützen und dies bringt ganz neue „Therapieformen“ auf den Markt. Manche Bauern bieten den Halter/innen an, ihre Hunde für einige Stunden ihre Schaf- oder Ziegenherden zu überlassen, damit die Hunde ihrer Veranlagung entsprechend arbeiten können. Gegen Bezahlung versteht sich.

Ich kann vor diesem Unfug nur abraten. Herdenschutzhunde werden viele Jahre auf diese Aufgabe vorbereitet und ausgebildet. Auch unter Herdenschutzhunden gibt es viele unsichere und ängstliche Hunde, die mit dieser Aufgabe überfordert wären und daher nicht zum Einsatz kommen können. Solch ein unvorbereiteter Einsatz kann gravierende Folgen haben, für die Hunde und die Herde.

Herdenschutzhunde sind imposante Erscheinungen und viele Menschen wollen sich mit solch einem Exemplar schmücken, bekommt man doch von so einigen einen bewundernden Blick für seine Auswahl.

Die Ernüchterung aber stellt sich meist schnell ein, spätestens wenn Besucher nicht mehr reingelassen werden und sich die Nachbarn über den Dauerbeller beschweren. Immer mehr dieser Statussymbole landen aus diesen Gründen in Tierheimen und eine Vermittlung ist fast aussichtslos. Für diese freiheitsliebenden und eigenständigen Hunde bedeutet dies ein Dasein hinter Gittern, eingesperrt auf wenige Quadratmeter. Eine artgerechte Haltung sieht anders aus.

Mit Herdenschutzhunden kann man durchaus friedlich zusammenleben, wenn man sie versteht und mit ihnen ihrer Veranlagung entsprechend lebt. Dazu aber sollte man sich vor der Aufnahme eines Herdenschutzhundes sehr gut über ihre Eigenarten und Besonderheiten informieren. Vor allem aber sollte man die Bereitschaft mitbringen, an sich zu arbeiten um so manche alte „Hundegewohnheit“ abzulegen.

Herdenschutzhunde können ihren Menschen einiges abverlangen und ihnen ihre Schwächen aufzeigen. Wenn man sich dieser Herausforderung aber stellt, kann man sehr viel lernen – vor allem über sich selbst. Dazu braucht es nur ein wenig Mut!

Was Herdenschutzhunde wirklich brauchen?

Eine konsequente Führung

Klare Regeln und Grenzen

Einen souveränen Menschen der auch standhaft bleibt, wenn seine Entscheidung in Frage gestellt wird

Ein Beitrag von Problemhundtherapie Marion Höft

Die Verfasserin ist ausgebildete und zertifizierte Problemhundetherapeutin. Sie arbeitet schon seit ihrer Jugend mit Hunden und hat in konsequenter Fortführung 2013 die Ausbildung zur Problemhundetherapeutin absolviert.


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