Retten um jeden Preis?

Wenn es um Tierschutz geht, wenn wir Bilder von traurigen Fellnasen, von armen Seelen, einsamen Hunden oder großen Welpenaugen sehen, gibt es für Viele kein Halten mehr. Die Emotionen kochen über und wir wollen helfen und all diese Hunde retten.

Die Folgen sind nicht mehr zu übersehen. Die Notrufe mehren sich, weil Hunde ihr Zuhause wieder verlieren. Nicht selten sollen sie am besten sofort weg weil sie „verhaltensauffällig“ wurden. Warum wird nicht hinterfragt und dem Hund zu helfen kommt nicht allen Rettern in den Sinn.

Die Verantwortung endet mit der Rettung, Tierheime quellen über und wissen nicht mehr wohin mit der Flut all dieser ehemals geretteten Hunde. Mittlerweile beginnen auch die Tierheime Hunde hin und her zu schieben, je nachdem wo gerade ein Platz frei geworden ist.

Hunde, die nicht die von Interessenten bevorzugten Eigenschaften wie lieb, nett freundlich, kinderlieb etc. entsprechen, werden zu Langzeitinsassen. Hunde die Aggressionen zeigen sind nicht gut für das Image eines Tierheimes und werden abgeschoben.

Mit den Hunden zu arbeiten, ihnen aus ihrem Verhalten herauszuhelfen und ihnen so die Chance auf ein neues Zuhause zu geben? Keine Zeit und kein Geld!

Häufig übernehmen ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die den Sinn des Tierschutzes leben, diese Aufgabe. Sie opfern ihre Freizeit um all diesen Hunden ein wenig helfen zu können.

Auch mich erreichen täglich immer mehr Anfragen, ob ich nicht eine arme Fellnase bei mir aufnehmen kann. Falls ich mich nicht dazu bereit erkläre, muss die arme Seele wieder zurück in die Tötung weil sich nirgends mehr ein Platz finden lässt.

Ist das Tierschutz, aus der Tötung in die Tötung?

Vor vier Wochen habe ich einen geretteten Herdenschutzhund-Mischling bei mir aufgenommen.

Ich habe ihn lange beobachtet und was ich sehe erschreckt mich.

Pongo ist eines dieser vielen Opfer der unzähligen unverantwortlichen Rettungen.

Pongo wurde in eine Welt „hineingerettet“ die nicht seine ist. Die Welt in die er gebracht wurde macht ihm Angst. Er hat Angst vor Geräuschen, vor Männern, vor der Dunkelheit, vor dem Fernseher und selbst vor den Bewegungen am Himmel. Wann immer er kann sucht er Schutz unter Bäumen, Sträuchern oder unter Möbeln.

Sein Leben besteht aus Angst und Stress.

Hundeexperten und auch Tierschützer hatten bereits mehrfach empfohlen, diesen Hund einschläfern zu lassen.

Ist es das was wir unter Rettung verstehen, einen Hund von der Straße einzufangen, ihn nach Deutschland zu bringen um ihn dann hier einschläfern zu lassen? Wenn ja läuft etwas gewaltig schief!

Was Pongo betrifft, bekommt er bei mir sein „Gnadenbrot“. Ich lasse ihn und zwinge ihn zu nichts. Soweit wie möglich darf er bei mir leben, wie er es für richtig hält. Gewisse Regeln und Grenzen aber muss auch er einhalten. Wir machen kleine Fortschritte und auch wieder Rückschritte.

Ob er jemals ganz hier ankommen wird? Ich weiß es nicht!

Ich stelle nicht den Auslandstierschutz als solches in Frage. Ich habe selber fünf Hunde aus dem Ausland und alle hatten ihr Päckchen dabei. Keiner meiner fünf Hunde war nur lieb, verspielt, verschmust oder gar dankbar für das neue Zuhause. Teilweise „ging ganz schön die Post ab“ und ich hatte alle Hände voll zu tun. Einen meiner Hunde „umzutauschen“ wäre mir aber nie in den Sinn gekommen.

Ich appelliere an die Tierschutzvereine, verantwortungsvoller mit dem Lebewesen Hund umzugehen. Es kann nicht im Sinne eines Tierschutzes sein, wenn unzählige gerettete Hunde hier erst zum Wanderpokal werden um dann den Rest ihres Lebens in einem Tierheim verbringen zu müssen oder gar eingeschläfert werden.

Und ich bitte alle seriös arbeitenden Tierschutzvereine mitzuhelfen, dass all die Vereine, die Hunde in Massen ohne Sinn und Verstand nach Deutschland verkaufen, wieder in der Versenkung landen.

Den vermittelnden Verein von Pongo gibt es nicht mehr und das ist auch gut so!

Bitte seid aufrichtig zu den Interessenten und beschreibt die Hunde so ehrlich wie irgendwie möglich. Wenn man nichts über den Hund weiß, dann kommuniziert man das auch so. Ich bin immer wieder überrascht wieviele Hunde als kinderlieb beschrieben werden, die Zeit ihres Lebens in einem Tierheim waren und daher noch nie ein Kind gesehen haben können. Das ist unverantwortlich und hilft weder den Interessenten noch den Hunden.

Das vermeintliche Argument, dass es den Hunden hier in einem Tierheim besser gehe als im Ausland, lasse ich pauschal so nicht stehen.

Wer das meint den bitte ich, regelmäßig Tierheime aufzusuchen und die Hunde dort zu beobachten, den Großteil des Tages eingesperrt auf wenige Quadratmeter und in ihren Fäkalien liegend. Viele werden verhaltensauffällig, verletzen sich selber oder werden aggressiv.

Auch wenn wir es nicht hören wollen: wir können nicht alle retten. Jeder kann nur im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas zum Tierschutz beitragen.

Wer seine Grenzen nicht erkennt und diese nicht beachtet, kann sehr schnell selbst zu einem „Rettungsfall“ werden. Auch das passiert, tagtäglich im Tierschutzland Deutschland. Vor allem vielen ehrenamtlichen Helfern, die nur helfen wollten.

Und manchmal müssen Hunde vor den „Rettern“ gerettet werden!

Ein Beitrag von Problemhundtherapie Marion Höft

Die Verfasserin ist ausgebildete und zertifizierte Problemhundetherapeutin. Sie arbeitet schon seit ihrer Jugend mit Hunden und hat in konsequenter Fortführung 2013 die Ausbildung zur Problemhundetherapeutin absolviert.

 

 

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