Über den Brenner

Der omnipräsente Chico ist in seinem Leben schon ganz schön rumgekommen. Reiseerfahren, wie er ist, nimmt er das Meiste mit ausgesprochener Gelassenheit. Auf dem Weg nach Venedig konnte er souverän selbst die Deutsche Bahn ertragen, ganz im Gegensatz zu den Mitreisenden. Immerhin hat es dieses hervorragende Unternehmen fertig gebracht, uns trotz über 2 Stunden vorsorglich eingeplanter Umsteigezeit so spät in München abzuliefern, dass der Nachtzug nach Venedig schon weg war. Für die Bahn kein großes Problem! Wer zu spät kommt, den straft das Leben! Dementsprechend wurden mir mit einem Hotelgutschein für eine Ramschabsteige im Rotlichtviertel kurzerhand am Münchner Hauptbahnhof ausgesetzt. Am nächsten Tag war für die Weiterreise niemand mehr zuständig, den Weitertransport ließ sich das Unternehmen mit weiteren knapp 400 Euro honorieren. Alternativ: Sie müssen ja nicht, sie können auch in München bleiben, auf eigene Kosten selbstverständlich. Oder zurückfahren, aber da gilt das Rückreiseticket noch nicht, auch 400 Euro auf den Tisch blättern.

Den Zwerg ficht sowas nicht an und eine Zugfahrt findet er sowieso eher langweilig. Selten trifft man Kumpels und eigenmächtige Spaziergänge und Ausflüge sorgen regelmäßig für Hysterie bei den Mitreisenden, also genau genommen bei der eigenen Reisegruppe. Andere zeigen sich eher amüsiert, wenn er durch die Abteile stromert.

Auch den Blick aus dem Fenster findet er eher langweilig und selten zeigt sich etwas Aufregendes. Aber dieses Mal, kurz hinter dem Brenner in Bozen:

 

 

 

Der Rest der Fahrt verlief dann eher eintönig, die Begeisterung anderer Reisender beim Erreichen der südlichen Alpenseite und dann der norditalienischen Landschaften ließen ihn völlig unbeeindruckt. Was solls auch! Berge, Gipfel, Täler, Dörfer, Toscana oder so, langweilig. 

Auch dass unsere vielgeschmähten südlichen Nachbarn mit ihren streikgeplagten Bahnen sowohl in Österreich als auch in Italien pünktlich unterwegs waren und uns auf die Minute pünktlich in der Lagunenstadt am Bahnhof Santa Lucia ablieferten, berührte ihn wenig. Erst auf dem Bahnhofsvorplatz wurde er wieder munter. Echte Action war angesagt, aber dazu ein anderes mal.

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.