Tough Hunter Spendenlauf 2018

Der Muskelkater lässt so langsam nach aber das Grinsen im Gesicht ist präsent wie eh und je!
Das hat vielerlei Gründe und eine Geschichte:

Was 2017 als kleine Herausforderung begann, wurde im Jahr 2018 zu einem phänomenalen Event. Wir fragten in unsere Tierschutzrunde, ob jemand an dem Tough Hunter Spendenlauf teilnehmen möchte, den wir dieses Jahr wieder absolvieren wollten. Auf die Antworten waren wir nicht gefasst. Die Minen verfinsterten sich, jeder setzte einen Blick auf als wäre er ein Elite-Soldat und fragte nur grimmig: „Für Aniela und die Hunde in Rumänien? Wo sollen wir wann sein! Wir sind dabei!!!“
Bei der Reaktion hätte ich erwartet, dass man sich theatralisch und in Zeitlupe eine Glatze rasiert aber das passiert wohl doch nur im Film.

Und so zogen 11 toughe Hunter aus, um Geld zu sammeln! Geld für ein absolutes Herzensprojekt!

Im Vorfeld wurde viel organisiert und manchmal fühlte man sich wie im Hühnerhaus. Da wurde gegackert und gelacht und die Vorfreude war kaum zu bremsen! Allerdings wich die Vorfreude einer amtlich geprüften Panik je näher das Datum rückte. Ines, Susanne und ich ließen uns als alte Tough Hunter Kaninchen aber nicht aus der Ruhe bringen. „Ois easy“, wie wir in Bayern sagen!

Der Tag der Anreise war da und die Straße gen Warmensteinach fest in der Hand der Running Gags. Die Hunde spürten wohl, dass wir doch leicht nervös waren und speziell Jacky wurde zu einem Gift speienden Drachen, der sogar Anouk einmal den Hintern versohlen wollte. Die Idee gab sie aber schnell wieder auf.

Jedenfalls trafen wir uns alle am Abend vor dem Lauf in unserem Hotel an der Bar. Größtenteils kannten wir uns nur virtuell aber es war als würden sich alte Freunde treffen. Wir umarmten uns, begrüßten gegenseitig unsere Hunde und nahmen einträchtig Abstand von Satans-Jacky, die wild tobte. In dem Zusammenhang schaute ich direkt mal nach, ob sie eine gültige Tollwut-Impfung hatte. Hatte sie. Wir waren beruhigt.

Den Abend beendeten wir verhältnismäßig zeitig, da uns tags darauf eine Herausforderung bevorstand. Wir schliefen den Schlaf der Gerechten und das lag nicht zuletzt daran, dass wir eine Suite mit King-Size-Bett hatten.

Um 6 Uhr ging der Wecker. Ich war schlagartig wach, sprang aus dem Bett und sprang wieder ins Bett! VERDAMMT WAR DAS KALT!!!!! (Zugegeben habe ich etwas anderes gedacht aber es lesen ja auch Kinder mit)
Ich schoss mich in meine Laufklamotten und dachte nicht weniger als dreimal, dass wir das alle nicht überleben werden. Spätestens die Grippe danach würde uns dem Erdboden gleich machen… egal, alles für die Hunde!

Wir gingen eine kurze Runde mit den Pfeifen und die merkten, dass was im Busch ist. Jacky weckte das komplette Hotel und Anouk tänzelte wie ein Lipizzaner auf LSD. Nach einem kurzen Frühstück ging es los. Die Mannschaft wartete bereits vor Ort und sie waren allesamt rot im Gesicht vor Aufregung. Wir saßen einträchtig in unseren Kofferräumen und warteten bis wir starten konnten.

Der Wind wurde immer stärker und es fühlte ich an als würden wir eine Expedition zum Nordpol vorbereiten. Kurzzeitig war ich etwas irritiert, da ich vermutete, dass Bianca „den Berg haben wir gleich geschafft“ Mader das Event etwas missverstanden hat. Sie tauchte auf ein mal im Taucheranzug auf. „Da werden wir doch nass und das hält schön trocken.“ An sich eine gute Idee. Wenn man nicht unbedingt an einer Konfirmanden-Blase leidet. Das sollte später noch für Lacher sorgen als wir bei einer Pinkel-Pause einen Nacktflitzer im Wald sahen. Der gemeine Nackt-Marder…

Jedenfalls war es so weit. Wie die GSG 9 stiefelten wir voller Tatendrang zur Startlinie. Die Hunde waren heiß, das merkte man. Wir waren weniger heiß als wir die erste Übung direkt nach dem Start sahen. Eine Plane wurde über einem riesigen Matschloch gespannt und man kann sich denken wie man dies überwinden sollte. Ach, was soll’s! Wir schmissen uns jauchzend in die braune Brühe und sahen im Anschluss aus wie nach einer Fango-Packung. Bianca und Sandra meinten sich das auch wie Braveheart ins Gesicht schmieren zu müssen aber die beiden konnten das auch wirklich tragen. Machte nen schmalen Fuß.

Wir rannten weiter. Es war verdammt kalt. Natürlich waren wir als vorbildliche Teammitglieder so freundlich und liefen extra langsam damit die anderen Running Gag Teams, die später starteten, aufschließen konnten. So waren wir wieder zu 11 inkl. 11 tapferer Hunde, die das alles MEEEGGAA fanden.

Die nächste Übung ließ nicht lange auf sich warten. Down under hieß sie und bestand darin einen Gebirgsfluss zu durchqueren. Anouk schoss voraus und ließ mir nicht wirklich Zeit mich mit dem kalten Nass vertraut zu machen. Bis zum Bauch stand ich im Wasser und watete auf die andere Seite. Ich dachte an die etwas kleineren Teammitglieder und sah schon Marion fast mit einem Schnorchel durchs Wasser pflügen. Die tolle Holly zog ihr Frauli aber zügig durch den Fluss. Weiter ging’s! Über Stock und Stein rannten wir durch den Wald, um etwas wärmer zu werden. Allerdings brachte das nicht viel, da wir bei der nächsten Übung unter einer ca 1 Meter hohen Brücke kriechen mussten, unter der natürlich Wasser lief. Überall lagen Totenköpfe und Schlangen, was es nicht unbedingt einfacher machte. Auf der anderen Seite begrüßte mich Sandras Sky, indem er mir mit seinen Knopfaugen tief in meine Augen schaute. Er hatte sich aus dem Geschirr geschält und hüpfte freudig und nackig durch den Wald. Aber er ließ sich wieder vorbildlich anziehen und schon konnten wir weiter flitzen.

Viele Passagen gingen bergauf und bergab, was wir schnell in den Waden und der verkümmerten Lunge merkten. Austrainierte Sportler zogen an uns vorbei und trabten elegant weiter, während wir bestimmt wie die Zombies aus Walking Dead liefen. Egal! Der Spaß steht im Vordergrund!
Anouk, die sonst die Unschuld vom Lande ist, rastete völlig aus als wir an ein Gerät kamen, das sich ständig hin und her bewegte und zu allem Überfluss ein Plüschhase darüber gestülpt war. Anouk schwebte regelrecht über dem Boden und das Bellen donnerte durch den Wald. Unmittelbar danach gab es leider einen kleinen medizinischen Notfall aber Laura „Dr. Brinkfrau“ föhnte durch die Mengen und spulte höchst souverän ihr Sanitäter-Programm ab. Schon ne coole Sau, die Laura.
Somit trennten sich die Running Gags kurzzeitig. Wir kamen an die erste Station, wo es Wasser und Bananen-Chips gab. Als hätten sie in ihrem Leben noch nie Nahrung bekommen, schaufelten sich einige die Chips rein, das man vom Glauben abfiel.

Eine weitere Übung bestand darin einen Sprint über mehrere hundert Meter zu absolvieren. Hier schlug die Stunde der kleinsten von unseren Hunden. Sunny schoss die Strecke entlang wie ein Kugelblitz. Zu schnell für das menschliche Auge! Sie wurde von allen Seiten angefeuert und war danach sichtlich stolz.

Als die Running Gags wieder vollzählig waren (bis auf die Schisser, die nur die 7 Kilometer gelaufen sind 🤗), gab es mal wieder ein Schlammloch, das es zu überwinden galt. Eine fette Kröte saß am Rand des Lochs und schaute verstört zu wie wir durch den Dreck robbten. Ja, wir wussten selbst wie das aussah!!!

Darauf folgte ein Hindernisparcours. Hier mussten wir durch große Reifen klettern und der Plan war, dass die Hunde durchspringen. Anouk zeigte mir mit ihrem Blick jedoch nur einen Vogel und somit war ich der einzige Depp von uns beiden, der durch Reifen sprang. Drei Wippen absolvierten jedoch alle mit Bravour und die Kletterwand überließen wir den Leichtgewichten von uns.

Weiter ging’s.

Wir waren endlich alle wieder einigermaßen trocken und dann kam mein persönliches Highlight denn ich sah bei der Übung mein Leben an mir vorbei ziehen und wie das Licht auf mich zukommt.
Ein Schlammloch musste durchquert werden. Es sah recht unspektakulär aus und somit wagten wir uns hinein. Jeder war mit sich und dem Nicht-Verlieren seiner Schuhe beschäftigt, so dass man nicht schauen konnte wo sein Vordermann entlang stapfte. Es galt ja „geht einer unter, geht man da nicht lang!“

Anouk machte in der Zeit Köpper in die Matschlöcher und sah aus wie eine Moorleiche. Es stellte sich heraus, dass das Loch aus drei Löchern besteht, die terrassenförmig angeordnet waren. Bei dem zweiten Loch passierte es dann. Ich landet dank Anouk bis zum Bauch in dem Schlammloch und steckte fest. Aber so richtig. Ich sah vor meinem inneren Auge schon wie man mich in 2.000 Jahren ausgräbt und sich über den Idioten kaputtlacht, der durchs Moor läuft und nicht den Weg nutzt.
Irgendwann kam ich doch frei und konnte eine herbei „eilende“ Laura wieder zurück schicken. Doch das ganz blöde an der Übung kam noch.

Ein steiler Abhang musste bewältigt werden. Natürlich bergauf. Zwischendurch musste man unter 3 gespannten Planen durchkriechen. Es war einfach nur anstrengend und wir sammelten gegenseitig unsere Lungen auf, die nicht mehr mitlaufen wollten. Oben angekommen hechelten wir einträchtig und stellten freudig fest, dass es nur noch 1 Kilometer bis zum Ziel waren. Hier mobilisierten wie noch mal all unsere Kräfte und starteten durch.

Die letzte Übung bestand darin unter Baumstämmen durchzukriechen und darüber zu klettern. Mit den bereits schmerzenden Knien und Muskeln war das anstrengender als vermutet aber das sollte für uns kein Hindernis sein. Ein Running Gag kennt keinen Schmerz!!
Voller Euphorie trabten wir in Richtung Ziellinie. Davor sollte es aber noch einmal nass werden denn diese Linie überwindet man nur, indem man eine große Rutsche herunter rutscht, an deren Ende was ist? Genau! Eine riesige Schlammgrube. Das vorher freudig erwähnte „Ich bin nun endlich trocken geworden“ von Sandra war also hinfällig. Allerdings schauten wir uns alle an und dachten das gleiche „Scheiss drauf!! Los gehts!!!“
Die Bilder sprechen für sich meine ich…

Schließlich rannten wir alle zusammen durchs Ziel und kreischten vor Freude!!! Wir hatten es geschafft! Zusammen!! Das Ziel-Bier schütteten wir direkt herunter und posierten fleißig für die Fotografen!
Aus letztem Jahr haben wir ja gelernt und somit zogen wir direkt unsere nassen Sachen aus (also… nicht am Ziel… haben schon gewartet bis wir wieder am Auto waren).
Wir waren alle so sehr aufgedreht und voller Endorphine! Wir umarmten uns und es sprudelte nur so aus uns heraus. Ich glaube noch nie so viel gelacht zu haben!

Schließlich schlug die Stunde der Wahrheit! Wir verkündeten allen den finalen Spendenstand, also das Geld, das Aniela und somit letztlich den Hunden zugute kommt!

5.000€ !!!

5.000€ für Kastrationen, Futter, Impfungen und warme Körbchen. 5.000€ für tragende Hündinnen, über den Zaun geworfene unerwünschte Welpen und Senioren, für die die Kälte Gift ist und denen das Leben dort so sehr zusetzt.

Wir waren und sind unfassbar stolz und feierten das Ergebnis ausgelassen. Nach einiger Zeit entschlossen wir uns dann zurück ins Hotel zu fahren, um mit einem heißen Bad dafür zu sorgen, dass unsere Extremitäten nicht absterben. Bevor wir uns (fast) alle dann im Restaurant trafen, war sogar noch ein kleines Nickerchen möglich. Anouk und Jacky kringelten sich auf dem Sofa ein und schnarchten einträchtig.

Der Abend war ein sensationeller Abschluss eines großartigen Wochenendes! Es war so, als würden sich alte Freunde treffen. Die Gemeinschaft und das Teamwork waren unglaublich!!
Wir schliefen alle wie die Steine und am nächsten morgen verabschiedeten wir uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge! „Nächstes Jahr!! Auf jeden Fall!!“ war die kollektive Devise!

Nun sitze ich hier, schaue meinen Hunden beim Spielen zu und grinse in mich hinein. Was anfänglich nur eine Schnapsidee war, entwickelte sich zu einer großartigen Bewegung. Ich sehe unsere Mannschaft 2019 noch wachsen und es ist einfach nur großartig, dass so viele ihren Teil für eine bessere Zukunft der Hunde beitragen möchten.

Die Hunde, die mit uns den Tough Hunter als Team überstanden haben, sind allesamt Auslandshunde. Aus Heimen, Tötungsstationen oder von der Straße. Tiere, die am untersten Rand der Nahrungskette und so auf unsere Hilfe angewiesen sind. Ich mag den Gedanken, dass gerade diese Hunde gezeigt haben, was in all den Hunden da draußen, die verdreckt, ausgehungert und verängstigt sind, ebenso steckt: Freunde fürs Leben!

Wir danken:

  • Dem Veranstalter, der mal wieder ein großartiges Event auf die Beine gestellt hat (mit kleinen Optimierungsvorschlägen unsererseits)
  • Unseren Familien für die mentale Unterstützung
  • Den tollen Supportern vor Ort, die der Eiseskälte getrotzt und auf Hunde aufgepasst und Eierlikör nachgeschenkt haben
  • Dem Wettergott, der es erst einen Tag nach unserem Lauf hat regnen lassen
  • Dem Hotel, das so nachsichtig mit unseren dreckigen und teils lauten (Danke Jacky) Hunden war
  • Der Herbergsmama von dem Ferienhaus, die uns direkt einen Schein zusteckte als sie von unserm Lauf erfuhr
  • Dem Erfinder von Funktionskleidung
  • Den Bananenchips
  • Den Schmutzengeln, die uns angefeuert haben

Und natürlich

DEN SPENDERN!!!!!

Bitte seht es uns nach, dass wir nicht jeden benennen können aber es unser persönliches Anliegen ist einmal Anne zu danken (was soll ich ohne Deinen monatlichen Paypal-Text nun machen??) sowie Anja und Bianka, einer der phänomenalsten Frauen, die wir kennen! Stark bleiben ist angesagt. 2019 bist Du fest eingeplant!

Was uns noch bleibt ist unsere tiefe Verbundenheit mit Aniela auszudrücken, für die wir den ganzen Schmarrn ja machen: Keep on fighting for the dogs! You are not alone!!

Nächstes Jahr wieder! Definitiv!

Eure Running Gags:
Sandra, Lisa, Bianca, Elena, Verena, Ines, Marion, Anja, Susanne, Laura, Sabine, Sky, Sunny, Marita, Nala, Luna, Leeland, Holly, Molly, Jacky, Ezra und Anouk!!

Beitrag von Sabine Einecke, aus der Hundegruppe ProDogRomania / endlich daheim

Und dazu noch ein paar Aufnahmen der Stars des Ganzen

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