Tut-nix geht Gassi

Eine junge Familie, Vater, Mutter und die sechsjährige Tochter gehen mit ihrem kleinen Dackelmix Paul Gassi, sie führen ihren Paul an der Leine und genießen den Spaziergang. Ihnen kommen mehrere Menschen mit ihren Hunden entgegen, manche waren an der Leine, viele aber nicht.

Paul wurde mehrmals von den freilaufenden Hunden bedrängt und seine Menschen baten die entgegenkommenden Passanten vergeblich, ihre Hunde an die Leine zu nehmen.

Die Ersten meinten, die Familie solle sich nicht so anstellen, die Zweiten bemerkten, dass die Hunde spielen wollten und die Familie ihren Dackelmix den Spaß doch gönnen sollten und die Dritten beschimpften die Familie.

Während die Menschen in ihren Diskussionen verwickelt waren, musste Paul sich um sich selbst kümmern und die aufdringlichen Besucher abwehren. Hilfe von seinen Menschen bekam er nicht.

Sichtlich genervt von diesem unentspannten Gassigang wollte die Familie den Heimweg antreten, als sie ein älteres Ehepaar bemerkten, die ihren freilaufenden Labrador riefen. Dieser aber reagierte nicht auf die Rufe, er hatte Paul entdeckt und fixierte ihn.

Nun reagierte auch Paul, er sah die Gefahr auf sich zu kommen und zerrte an der Leine in Richtung Labrador. Das ältere Ehepaar rief der Familie entgegen, dass sie ihren Hund auch von der Leine lassen sollen, da ihr Hund gerne mit anderen Hunden spiele.

Die Menschen beschimpften sich nun lautstark gegenseitig, aber niemand achtete auf die Hunde.

In dieser aufgeheizten Stimmung wurde Paul immer panischer und der Labrador stürmte auf die Familie zu, er griff zuerst Paul an und verletzte anschließend die weinende Tochter schwer, als sie völlig verängstigt weglaufen wollte. Sie ist eines von über 80.000 Kindern, die nach offiziellen Angaben jedes Jahr von einem Hund verletzt werden.

Auch wenn sich dies wie ein Auszug aus einem schlechten Thriller liest, so ist dies tatsächlich vor kurzem geschehen. Paul hat die Attacke des Labradors nicht überlebt und die Tochter befindet sich im Krankenhaus.

Nach Aussagen der Halter war der Labrador bereits zehn Jahre alt und noch nie durch aggressives Verhalten aufgefallen. Aus ihrer Sicht waren der Dackelmix und seine Menschen Schuld, da sie Paul nicht beruhigt hatten und dieser den Angriff ihres Hundes durch sein Verhalten ausgelöst hatte. Aus Sicht der Familie waren der Labrador und seine Halter Schuld, sie hätten ihren Hund frei laufen lassen, obwohl sie ihn nicht unter Kontrolle hatten.

Auch wenn man seinen Hund mit einem großen Herzen und durch die menschliche Emotionsbrille sieht: es gibt keinen Tut-Nix! Hunde können ihr Verhalten von einer Sekunde auf die andere ändern und werden dies auch tun, wenn es aus ihrer Sicht notwendig ist.

Umso wichtiger ist es, beim Gassi in Verbindung mit seinem Hund zu sein und auf diesen zu achten.

Erkennt man rechtzeitig die Anzeichen, seien es die seines eigenen Hundes oder auch die des entgegenkommenden Hundes, wann Tut-Nix zu einem Tut-doch-was umschaltet, kann man noch rechtzeitig einschreiten und zumindest die Hunde aus der Situation bringen.

Das Wissen über Hunde, wie sie wirklich sind und ihre Art der Kommunikation, sowie der richtige Umgang mit und an der Leine kann Leben retten!

Mensch, wann lernst du wieder Hund?

Ein Beitrag von Problemhundtherapie Marion Höft

Die Verfasserin ist ausgebildete und zertifizierte Problemhundetherapeutin. Sie arbeitet schon seit ihrer Jugend mit Hunden und hat in konsequenter Fortführung 2013 die Ausbildung zur Problemhundetherapeutin absolviert.

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